Magritte (Auszug)

Der laue Wind, der vom Fluss herüberweht, geht wieder durch mein Zimmer. Wie gewöhnlich bringt er es vollkommen in Unordnung. Schiebt den Tisch von der Mitte des Raumes an die Wand, kippt die Sessel und leert die blaue Vase. Dreht sie einfach um, wodurch sich das Wasser über den Boden ergießt und die Nelken sich verstreuen. Verstellt mir dadurch den Weg von der Tür zum Fenster. Hängt den Spiegel von der Wand und legt ihn unter mein Bett. Ich kann mein Notizbuch nicht mehr finden und trage jenen karierten Wintermantel, welchen angezogen zu haben ich mich nicht erinnern kann. Wenigstens verschont er meinen Koffer. Lässt ihn an seinem Platz neben dem Kasten.
An solchen Tagen kann ich bis zum Fluss hinüber sehen, wenn ich mich ein wenig an die Gitterstäbe vor dem Fenster drücke. Zu den Menschen, deren Häuser unweit des Ufers stehen. Diesmal schieben sie Karren vor die Häuser, legen Kisten auf und fahren mit diesen ganz nah ans Wasser.
Irgend jemand ist ins Zimmer gekommen und beginnt mit mir zu sprechen, auf mich einzureden, ich habe jedoch den Wind in den Ohren und die Augen und die Gedanken ganz weit drüben am Fluss.
Offensichtlich kennen diese Menschen vom Fluss eine Stelle, wo das Wasser sich anheben lässt. Dementsprechend hebt es einer von ihnen  ein wenig und rollt es zur Seite. Dann steigen sie in die Tiefe, einer nach dem anderen. Die Kisten scheinen nicht besonders schwer zu sein, denn jeder klemmt sich eine unter den Arm. Bald sind alle ins Wasser hinunter gestiegen, der letzte greift nach der zur Seite gerollten Wasseroberfläche und zieht sie über sich, streicht sie von unten glatt.
Spaziergänger kommen die Uferstraße entlang, sie schenken den ins Wasser Hinabsteigenden allerdings keinerlei Beachtung. Auch der Hund trabt unbeirrbar, hält den Kopf erhoben, da er einen Ast im Maul trägt, diesen zu balancieren hat. Jener, der ins Zimmer gekommen ist und auf mich einredet, steht nun so nahe hinter mir, dass jedes einzelne Wort seiner in meine Richtung geschickten Wortflut eingehüllt ist in warme, zähe Atemluft. Selbstverständlich ist mir klar, dass ich das Ufer und das Wasser nicht aus den Augen lassen darf, jedoch weiss ich mir nicht anders zu helfen, als mir den Mantel über den Kopf zu ziehen. Für ein paar Minuten, wie ich es empfinde. Als die Stimme hinter mir sich der Tür zu bewegt, die Tür sich öffnet und demzufolge bald wieder ins Schloss fällt und die Stimme ganz verschwunden ist, kommt mein Kopf aus dem Mantel hervor. Die Häuser am Fluss  jedoch sind bereits abgerissen, die Türen, die Fensterrahmen wahrscheinlich auf Karren geladen und fortgeschafft. Selbstverständlich auch der Kamin. Nur der Rauch ist geblieben.

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© mike markart